Höhlentour im Vercors in Frankreich

Felsriegel im Vercors

Bei schönstem Wetter begann unser Kurztrip nach Frankreich und die steilen Felsriegel die das Vercors auszeichnen, zeigten sich von ihrer schönsten Seite. Wir hatten uns vorgenommen, die Grotte Gournier zu befahren, ein Großhöhlensystem was sich durch den Karst des Vercors seinen Weg bahnt. Natürlich um hoffentlich schöne Fotos machen zu können. unsere erste Höhle war die Bournillion. Wir wollten diese Tour nutzen, um unsere neuen Blitzen zu testen.

Also machten wir uns auf und fuhren durch die schöne Landschaft des Vercors. Vom Parkplatz aus, der sehr schön ruhig und neben einem sehr alten Stromkraftwerk liegt, sind es ca. 20 Minuten Fußmarsch.

Die Bournillion ist besonders für ihr gigantisches Höhleneingangsportal bekannt, was uns auch erstmal den Atem verschlug. Leider hatten wir aber etwas Pech, denn normalerweise strömt hier ein Fluß lang. Durch die Hitze der letzten Tage, war dieser leider komplett ausgetrocknet und wir konnten uns frei im Flussbett bewegen. Das hatte tatsächlich dann auch seinen Reiz. Dieser Sandberg zum Beispiel liegt normalerweise unter Wasser. Durch einen Strudel werden die Sandkörner gefangen und nicht weggespühlt und bilden mit der Zeit einen richtigen Berg.

Dennoch mussten wir eine Traverse mit einem 30m Seil einbauen, um dann auch wirklich trockenen Fußes in die Höhle zu gelangen. Dort war der Fluss auch komplett ausgetrocknet, sodass wir große Geröllhalden durchqueren konnten.

Der Saal "Village negre" war unser Ziel. Eine Halle mit dunkel verfärbten Tropfsteinen. Sehr beeindruckend war zudem, die mit riesigen Rissen und Flecken durchzogene Decke. Die optimale Halle, um ausgiebig unser Equipment zu testen.

Nach ausführlichem Equipment Test wollten wir dann endlich in die Gournier. Von unserem Campingplatz aus, hatten wir immer direkten Blick auf die Felswände von Presles, wo sich der Eingang der Gournier befindet. Direkt daneben liegt die Grotte von Choranche. Eine Höhle, welche touristisch erschlossen ist und sogar Grottenolme im Programm hat! Wir durften freundlicher Weise (an der Rezeption fragen!) den ausgebauten kürzeren Weg für die Touristen nehmen, um unseren Höhleneingang zu erreichen.

Der Eingang ist schon ein Highlight für sich und sollte sich jeder anschauen der die Grotten von Choranche besichtigt. Ein glasklarer, türkisfarbener See füllt den gesamten Grottenbogen und zieht sich bis in die tiefe Dunkelheit der Höhle. Ab hier benötigt man ein Schlauchboot. Auch wenn am Seeufer ein Boot liegt, darf man das auf keinen Fall benutzten, das ist für den absoluten Notfall und für die Bergung von Verletzten. Hindurch schwimmen würden wir auf keinen Fall raten, da das Wasser eisig kalt ist und man die Entfernungen nicht einschätzen kann. Und so eine Fahrt im Bötchen ist einfach herrlich!

Wenn man die Bootstour ausgiebig genossen hat, legt man am hinteren Ende des Sees an, an einer steilen Felswand. Dort sind Klettergriffe eingebaut, an denen man hochsteigen kann. Aber es ist leider sehr rutschig und man muss wirklich vorsichtig sein. Matthias ist vorgestiegen und hatte mir ein Seil eingebaut an dem ich hochsteigen konnte. Denn auch wenn man ins Wasser fallen würde, ist das nicht wirklich zu empfehlen, da das Wasser eben sehr kalt ist und die Tour gerade erst beginnt. Anschließend traversiert man noch ein kurzes Stück den See und ist dann im trockenen Bereich der Höhle angekommen. Es folgen riesige Hallen mit gigantischen Verbruchstücken, die man mühselig überwinden muss. Mit viel Gepäck wird das zu einer echten Plackerei! Man muss sich hochkonzentriert durch die Höhle bewegen. Jeder Schritt muss durchdacht sein, damit man nicht umknickt oder stolpert. Tatsächlich war an diesem Tag noch eine andere Gruppe in der Höhle die uns auf unserem Hinweg entgegenkam. Einer aus der unbekannten Gruppe hatte seinen Blick vom Boden gehoben, um zu schauen, woher die fremde Lichtquelle stammt. Dieser kurze Moment der Unachtsamkeit, hatte dann leider schon ausgereicht, um den Mann ins Stolpern zu bringen. Er rutsche mit seinem Fuß in eine Spalte und stürzte zu Boden. Er schrie fürchterlich, was in einer so großen Halle kaum zu ertragen ist. Die Gruppe hatte Gottseidank einen sehr erfahrenen Höhlenguide bei sich, der sich sofort um den Verletzten kümmerte. Es stellte sich heraus, dass der Mann sich den Knöchel entweder Verstaucht oder sogar gebrochen hatte. Wir boten unsere Hilfe an, aber die Gruppe war groß genug mit ca. 8 Mann. Sie stabilisierten den Knöchel und stützen den Mann abwechselnd. Humpelnd und unter Schmerzen musste er den Rückweg antreten. Schlagartig wurde auch uns wieder bewusst, was für ein Risiko man auch eingeht und das man nie eine Tour unterschätzen sollte. Insbesondere wenn man nur zu zweit unterwegs ist.

Schon vor dem Sturz nagte so langsam der Frust an meinen Nerven, weil ich es mir nicht so riesig und mit soviel Verbruch vorgestellt hatte. Natürlich gab es hier und da auch mal wieder schöne Tropfsteine zu sehen, aber hauptsächlich fühlte man sich ein wenig erschlagen von den Dimensionen. Man verliert völlig sein Zeitgefühl und wir konnten auch nicht mehr einschätzen wie weit wir schon gekommen sind. Schon ziemlich erschöpft und mit getrübter Stimmung gingen wir weiter, denn wir wollten unbedingt eine besondere Stelle erreichen.

Endlich änderte sich das Gestein und wir sahen frische Versinterungen. Matthias konnte sich auch gleich an die Stelle erinnern und wusste, nun ist es nicht mehr weit bis zu der riesigen Sinterkaskade. Noch ein, zwei Gesteinsbrocken hinaufklettern und wir sahen in einen riesigen Raum in dem sich stufenartige Wasserbecken gebildet hatten.

Auf der höchsten Stufe erblickten wir den „Erbauer“ dieser Kaskaden. Ein sehr bauchiger Stalagmit, in dessen Spitze sich ein Wasserbecken gebildet hatte, war dort zu sehen. Ein stetiger Wasserstrahl der aus der Decke plätschert, sorgt dafür, dass das Becken im Tropfstein stets gefüllt ist und überläuft. Das übergelaufene Wasser bildete über tausende von Jahren wunderschöne Sinterteiche, die wir nun endlich sahen. Wir packen sofort die Kamera aus und alle Lampen die wir dabei hatten und verteilten diese in die Becken. Je mehr Licht wir setzten, desto mehr erstrahlte die verborgene Schönheit. Wir konnten gar nicht aufhören und verloren mal wieder jedes Zeitgefühl. Als wir unser Bild im Kasten hatten, merken wir erst, dass wir schon ziemlich platt und sicher schon lange unterwegs waren. Daher entschieden wir uns auch, vor den Wasserpassagen kehrt zu machen. Das fand ich wirklich super schade... aber nach dem was wir kurz vorher erlebt hatten, war es das vernünftigste und immerhin haben wir diese schönen Bilder machen können...

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© Maike Angelina Simon